Was ist Binnenwirtschaft?

In der Volkswirtschaftslehre versteht man unter Binnenwirtschaft einen Wirtschaftsbereich, der innerhalb der Grenzen eines Landes, sprich eines Wirtschaftsmarktes oder Binnenmarktes im Inland existiert. Dieser Binnenmarkt kann aber auch innerhalb eines Staatenbündnisses gelebt werden.

Binnenmarkt – was ist das genau?

Binnenmarkt ist also ein abgegrenztes Wirtschaftsgebiet. Dieser ist durch einen freien Verkehr von Produktionsfaktoren wie Ware, Dienstleistungen, Kapital und Arbeitnehmer, aber auch durch eine angeglichene Rechtsordnung gekennzeichnet.

Der Geltungsbereich eines Binnenmarktes besteht prinzipiell aus einem einzigen Land, wie z. B. der Schweiz oder Japan.

Allerdings kann der Binnenmarkt aufgrund einer wirtschaftlichen Integration von unterschiedlichen Staaten entstehen, wobei der Begriff manchmal als Synonym für den nationalen Markt verwendet wird. Ein Vorzeigebeispiel ist die integrierte Wirtschaftsgemeinschaft des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR). Damit bildet der EWR den größten Binnenmarkt, gefolgt von USA, Volksrepublik China und Indien.

Ein Binnenmarkt entsteht nicht einfach so, sondern bedarf einiger Schritte. Somit müssten zunächst jegliche Transporthemmnisse aufgehoben werden. Folglich gibt es auch innerhalb eines entstandenen Binnenmarktes keine Zölle. Dies dient zur Vereinheitlichung und Vereinfachung der rechtlichen Bestimmungen der Zollunion gegenüber. Hinzu kommt auch jegliche Abschaffung von Mobilitätshemmnissen, besonders was Arbeitskräfte und Kapital angeht. Auf dieser Basis ist die verkehrsfreie Handlung der zuvor genannten Produktionsfaktoren geschaffen.

Damit also die Funktionalität eines Binnenmarktes gegeben ist, dürfen keine Handlungsbeschränkungen bestehen. Sollten aber andere Wirtschaftsräume und einzelne Staaten mit dem bestehenden Binnenmarkt, bei dem diese keine Mitglieder sind, Produktionsfaktoren verkehren und handeln wollen, so können hier Zölle erhoben und weitere Handlungsbeschränkungen aufrechterhalten werden. Diese müssen für den gesamten Binnenmarkt allerdings einheitlich sein.

Verkehrsfreie Handlung

Die binnenwirtschaftliche Situation funktioniert in einem Gebiet, dem Binnenmarkt, ohne Grenzen. Das bedeutet, dass sobald etwas Wirtschaftliches von einem Ort zum anderen bewegt werden soll, dürfen keine Schranken aufkommen. Dies wird durch Gesetze, Verordnungen und Normen geregelt. Im Detail werden hier Steuerarten und -höhen, Lebensmittelzulassungen und staatliche Sozialleistungen behandelt und festgehalten. Um einen entstandenen Binnenmarkt und dessen Wirtschaft vor Konkurrenz zu schützen, werden die gesetzlichen Regulierungen anderen Binnenmärkten gegenüber entgegengerichtet.

Vier Freiheiten

Die zuvor genannten Produktionsfaktoren bilden die vier Grundfreiheiten des Binnenmarktes und haben ihre feste Regelung in der Europäischen Union.

  1. Ware
    • Freier Warenverkehr ist eine der erheblichen Freiheiten. Diese wird hauptsächlich durch die Zollunion geschaffen, sodass für die innerhalb des Binnenmarktes bewegte Ware keine Grenzkontrollen, Zölle oder Kontingentierungen mehr abzugelten sind.
    • Hinzukommen folgende Verbote: Gewährung von staatlichen Beihilfen, steuerliche Schlechterstellung für Importwaren und steuerliche Ausfuhrbegünstigungen.
    • Auf diese Art und Weise wird der Handel zwischen den zusammengeschlossenen Staaten angekurbelt.
  2. Dienstleistungen
    • Der freie Dienstleistungsverkehr betrifft alle gegen Entgelt entrichtete Leistungen, wobei hier zwischen aktiver und passiver Dienstleistungsfreiheit unterschieden wird.
    • Aktive Dienstleistungsfreiheit beschreibt, dass derjenige, der die Leistung erbringt, sich kurzfristig in den Staat, in dem die Leistung empfangen wird, begibt.
    • Bei der passiven Dienstleistungsfreiheit ist es im Prinzip anders herum, sodass der Empfänger der Leistung in das Land, in dem die Leistung entgegengebracht wird, geht.
    • Hier handelt es sich insbesondere um gewerbliche, kaufmännische, handwerkliche und freiberufliche Tätigkeiten.
  3. Kapital
    • Der freie Kapitalverkehr räumt dem Volk der Mitgliedsstaaten eines Binnenmarktes die freie Entscheidungswahl ein, in welchem Staat und bei welchem Kreditinstitut jeder einzelne das Geld anlegen möchte.
  4. Personen/Arbeitnehmer
    • Der freie Personenverkehr erlaubt allen sich innerhalb des Binnenmarktes frei zu bewegen, sodass Arbeitnehmer selbst entscheiden können, in welchem Land sie sich niederlassen und welche Arbeit sie aufnehmen möchten. Die gleiche Freizügigkeit wird Gewerbetreibenden und Freiberuflern, aber auch Touristen, Studenten und Rentner gewehrt.
    • Auch wenn es keine Binnengrenzen gibt, so wird man an den Außengrenzen kontrolliert.

Zu bemerken ist, dass ein Binnenmarkt nicht gleich entsteht, nur weil einige Staaten untereinander ihre Zölle aufgehoben und stattdessen eine Zollunion gebildet haben. Denn sofern Güter, Dienstleistungen, Kapital und Personen sich nicht frei innerhalb der Staaten bewegen können, gibt es keine Verkehrsfreiheit und damit auch keine Freizügigkeit für Arbeitnehmer und Unternehmen. Diese Einschränkungen müssen für einen Binnenmarkt aufgehoben werden.

Gemeinsame Währung ist hilfreich

Wurden alle nötigen Einschränkungen beseitigt, so kann als Nächstes eine gemeinsame Währung innerhalb des Binnenmarktes zur Vereinfachung eingeführt werden. Im Binnenmarkt der Europäischen Union ist es der Euro. Haben sich einige Länder zu einem Binnenmarkt zusammengeschlossen und wurde eine gemeinsame Währung eingeführt, so spricht man in diesem Fall von einer Währungsunion.

Mögliche Folgen eines Binnenmarktes

  • Durch den Zusammenschluss mehrerer Länder gibt es dementsprechend mehr Unternehmen, sodass der Wettbewerb sich verstärkt und der Preisdruck zunimmt.
  • Dank diesem gibt es ein breiteres Angebot an Waren und Dienstleistungen.
  • Da Zollgebühren und administrativer Aufwand wegfallen, sollten die Importe tendenziell günstiger werden.
  • Durch den freien Personenverkehr ist es vor allem für die Arbeitnehmer einfacher sich innerhalb des Binnenmarktes niederzulassen und eine sich außerhalb ihres Heimatlandes befindliche Arbeit aufzunehmen, wodurch die Mobilität auf dem Arbeitsmarkt steigt.
  • Die Preise aus den vorher getrennten Wirtschaftsräumen werden sich mittel- bis langfristig angleichen, was entweder zu höheren oder tieferen Preisen führt.
  • Außerdem werden sich Löhne und Zinsen mittel- bis langfristig angleichen, was ebenfalls zu sinkenden oder steigenden Löhnen und Zinsen führt.